JOHANNES-
SCHARRER-
GYMNASIUM

Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Gymnasium
Sprachliches Gymnasium

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Lesung Dr. Ronen Steinke

Am 10.12.2018 besuchte Dr. Ronen Steinke, Redakteur und Autor der „Süddeutschen Zeitung“, das Johannes Scharrer Gymnasium, um den Schülerinnen und Schülern der neunten Jahrgangsstufe aus seinem 2017 erschienenem Buch „Der Muslim und die Jüdin“ vorzulesen. In diesem beschreibt der Journalist die Geschichte einer doch recht ungewöhnlichen Rettungsaktion im Berlin der Nationalsozialisten Der muslimische Arzt Mohammed Helmy rettet das jüdische Mädchen Anna Boros vor den Nazis, indem er sie als Muslima verkleidet und als seine Nichte ausgibt.

Zu Beginn der Lesung erklärte der Autor den Schülerinnen und Schülern zunächst, wie er auf diese ungewöhnliche Geschichte einer Rettung gestoßen ist. Auslöser war eine Zeitungsmeldung, die Ronen Steinkes Interesse geweckt hatte. 2013 wird Mohammed Helmy – als erstem Araber überhaupt – von der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem posthum die Medaille „Gerechter unter den Völkern“ verliehen. Seine Nachfahren wollten diese Auszeichnung jedoch nicht annehmen, da sie zum einen aus Israel und noch dazu von Juden kam. Daraufhin recherchierte der Autor über zwei Jahre lang hinweg die Geschichte des muslimischen Arztes und des jüdischen Mädchens, wertete Dokumente aus und traf sich mit Nachfahren beider Protagonisten. Er erklärte, dass ihm, je mehr er über diese Geschichte erfuhr, klar wurde, dass sie nicht nur ein Zeitungsartikel, sondern ein Buch werden würde. Im Verlauf der Veranstaltung las Ronen Steinke den Jugendlichen nicht nur einzelne Passagen aus seinem Buch vor, sondern schaffte es, ihnen durch anschauliche Beschreibungen ein Gefühl für die Zeit des Berlins der 30er- und 40er- Jahre zu vermitteln. Im Anschluss an die Lesung nahm sich der Autor noch Zeit, die Fragen der Schülerinnen und Schüler der neunten Klassen und des Buchclubs „Ex Libris“ zu beantworten.

Auf die Frage nach Helmys Motiv für diese Rettung antwortete Ronen Steinke, dass zum einen natürlich Humanität ein Grund für sein Handeln gewesen sei. Zum anderen schreibt er dem muslimischen Arzt jedoch auch ein gewisses Maß an Verrücktheit zu und erklärte, dass Helmy, der ein sehr kluger Mann gewesen sei, in den 30er Jahren miterlebt hatte, wie sein Beruf durch den Nationalsozialismus abgewertet wurde. So wurden Chefposten in Krankenhäusern mit Nazis besetzt, weil sie die richtige politische Gesinnung hatten und nicht, weil sie sich durch Leistung auszeichneten. Dadurch fühlte sich Helmy vermutlich in seinem Intellekt gekränkt und wollte die Nazis an der Nase herumführen. Auf die Frage, warum der Holocaust ihn so beschäftige, antwortete Ronen Steinke, dass dieser immer noch das Leben und die Kultur präge und für ihn immer präsent gewesen sei, da er selbst neben dem Reichsparteitaggelände in Nürnberg aufgewachsen ist. Ihm sei es jedoch wichtig, mit Geschichten von Mut und Widerstand einen anderen Zugang zur Thematik zu vermitteln und Positives zu entdecken. Am Ende der Lesung wollte eine Schülerin von Ronen Steinke wissen, was er ihnen in Zeiten des Fremdenhasses mitgeben könne. Der Autor erklärte daraufhin, dass unsere Vorurteile uns nur einengen würden und dass es wichtig sei, dass diese Fesseln durch Toleranz gesprengt würden.

Sabine Lehmeyer für „Ex Libris“

 
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